Ratekrimi

Mord im Altersheim
Theo Kauz, Kriminalhauptkommissar a.D. drehte seine letzte Runde durch den Park. Um 18.00 Uhr war Schlafenszeit in der Altersresidenz Rosenkranz, in der er seit einem Monat in einer kleinen Wohnung des Betreuten Wohnens lebte.

Ein lauter Schrei ließ ihn aufhorchen. Er schien aus dem Park hinter der kleinen Kapelle zu kommen. Kauz stakste über die Wiese, so schnell es seine alten Knochen zuließen.
Emma Nussbaum beugte sich über einen Männerkörper, der auf dem Rücken im Gras lag. Und als Theo näher kam, erkannte er Horst Weizenkötter. Horst war tot. Mausetot. Das war im Altersheim nicht so ungewöhnlich. Ungewöhnlicher aber war, dass Horst Weizenkörpers Körper in einer Blutlache lag. Und als Theo ihn auf den Bauch drehte, sah er ein Messer in seinem Rücken stecken. "Mord", diagnostizierte Kauz. "Mord durch Gewaltanwendung." "Sie sind wirklich ein ganz Schlauer", staunte Emma Nussbaum. Kauz nickte. Dann stülpte er seine Gummihandschuhe über, zog das Messer aus dem Rücken und ließ es vorsichtig in einer Plastiktüte verschwinden. "Das muss die Gerichtsmedizin untersuchen", ordnete er an.
Emma Nussbaum nickt. "Horst Weizenkötter, nicht wahr?", begann Kauz sein Verhör. "Kannten Sie ihn näher?" Wieder nickte Emma Nussbaum. "Er wohnt auf meinem Flur - oder besser gesagt, wohnte." "Hatte er Feinde?" Emma Nussbaum lächelte. "Es gab niemanden, der ihn leiden konnte", sagte sie dann. "Er zankte sich mit jedem, er hatte bei allen Schulden und er log, dass sich die Balken bogen. Jeder von uns hätte ihn für sein Leben gerne beseitigt. Jeder hat ihm den Tod gewünscht." Sie klopfte Theo Kauz auf die Schulter. "Freuen wir uns einfach, dass jemand den Mut hatte, ihn zu beseitigen." Und dann ging sie davon. Es gab schließlich Abendessen. Das war wichtiger, als einer Leiche nachzutrauern.

Doch damit wollte sich Kauz nicht zufrieden geben. Schließlich war er Kriminalhauptkommissar, wenn auch a.D. Und so setzte er nach dem Abendessen sein Verhör fort. Zunächst besuchte er Minna Wolfsblut, die direkt neben ihm wohnte. Sie war immer sehr redselig. "Ich hab genau gehört, dass jemand bei ihm war", berichtete sie, als sich Kauz auf den Sessel in ihrem Zimmer gesetzt hatte. "Es war ein Mann. Die beiden haben sich gestritten. Ich glaube, es ging um Geld. Er sagte: Glaub nicht, dass ich dir einfach mein Geld gebe." Und Horst hat nur gelacht und gemeint: `Willst du etwa, dass alle erfahren, dass du und Maria…´ Und dann hat der andere richtig laut losgeschrien. Naja, und kurze Zeit später sah ich einen Schatten über das Balkongeländer fliegen. Das war Horst - wahrscheinlich jedenfalls." Kauz nickte und notierte sich die Aussage in seinem kleinen grünen Büchlein.

Dann besuchte er Maria Linneweber. Sie wohnte auf der anderen Seite des Flures. "Ich habe nichts mitgekriegt", berichtete sie. "Ich war spazieren." "Waren Sie allein?", wollte Kauz wissen. Maria schüttelte den Kopf. Doch dann nickte sie plötzlich und beugte sie sich dichter zu Kauz hinüber. "Ich war mit Felix im Park", flüsterte sie ihm ins Ohr. "Felix Schlunz?"
"Genau." Maria Linneweber lächelte. "Aber das behältst du für dich, ja? Ihr habt doch Schweigepflicht bei der Kriminalpolizei, oder?" Kauz nickte.

Den letzten, den Kauz an diesem Abend besuchte, war Johann Nagold. Er war schwerhörig und registrierte Kauz erst, als der direkt vor ihm stand. "Horst Weizenkötter ist ermordet worden", begann Kauz doch noch bevor er den Satz beendet hatte, brüllte Nagold schon: "Waaas?" Das hatte keinen Zweck. Kauz griff einen Zettel und notierte in großer Schrift:
"Horst Weizenkötter ist ermordet worden. Haben Sie irgendetwas…" … gehört wollte er erst schreiben, aber das war ja witzlos. "…gesehen", schrieb er darum. Nagold schüttelte seinen Kopf, dass das weiße lange Haar nur so flog. "Der alte Weizenkötter", murmelte er. "Naja, um den ist es ja nicht so schade." "Wo waren Sie gegen 18.00Uhr?", schrieb Kauz erneut.
Nagold überlegte nicht lange. "Ich habe hier auf meinem Balkon gesessen und in den Park gesehen. Die Emma kann das bezeugen. Die ging da unten spazieren. Auch Maria ist da langgegangen. Aber ich weiß nicht genau, ob sie mich gesehen hat. Sie war ganz allein und sah ziemlich traurig aus." Kauz nickte. "Danke", schrieb er dann. "Sie haben mir sehr geholfen."

Dann rief er die Kollegen von der Kripo an. Wie immer war er schneller als sie.

Felix Schlunz war der Mörder.
Er wurde von Horst Weizenkötter erpresst, weil er eine Beziehung zu Maria Linneweber hatte. Maria hatte Felix Schlunz ein Alibi verschafft, aber Nagold hatte gesehen, dass sie allein spazieren war.

Infos zur Serie
Der etwas andere Ratekrimi von Annette Weber.

In der Seniorenresidenz Rosenkranz wird es nie langweilig. Mausetote Männer, verschwundene Koffer oder seltsame Besucher...

Theo Kauz, Kriminalhauptkommissar a. D und Heimbewohner löst jeden Fall, auch wenn er noch so kurios oder skurril ist.

Abdruck nur nach Genehmigung
© Weber